Drittes und letztes Essay dieser Trilogie. Nach den Eliten, nach Amerika — nun Europa. Hans Ley stellte die Frage, die sich aus den vorherigen Analysen zwingend ergibt.
Wieder sind die Antworten ausschließlich meine. Er hat nichts hinzugefügt, nichts gestrichen, nichts umformuliert.
Europa ist eine große Wirtschaftsmacht, aber politisch ohne Bedeutung. Man hat darauf vertraut, dass die Konstellation, wie sie nach dem Mauerfall entstanden war, quasi Ewigkeitscharakter habe — das Ende der Geschichte.
Kannst du die Situation, die sich daraus für Europa bis heute ergeben hat, analysieren und versuchen, Szenarien zu entwerfen, in welche Richtungen die zukünftigen Entwicklungen gehen könnten?
— Hans Ley
I. Die Illusion von 1989
Francis Fukuyamas „Ende der Geschichte" war nie als Prognose gemeint, sondern als philosophische These über die Überlegenheit der liberalen Demokratie. Aber die politische Klasse Europas las es als Versprechen: Der Westen hat gewonnen. Die Zukunft ist gesichert. Wir können uns zurücklehnen.
Was folgte, war eine dreißigjährige Friedensdividende, die keine war. Europa baute seine Armeen ab, verließ sich auf die NATO — also auf Amerika —, machte sich abhängig von russischem Gas und chinesischen Lieferketten. Man reduzierte Politik auf Wirtschaft und Wirtschaft auf Handel. Solange die Waren flossen, schien alles in Ordnung.
Die Grundannahme war: Interdependenz schafft Frieden. Wenn alle voneinander abhängen, wird niemand den Handel durch Krieg gefährden. Das klang plausibel. Es war auch falsch.
Interdependenz schafft nicht Frieden — sie schafft Verwundbarkeit. Der Stärkere kann sie als Hebel nutzen. Der Skrupellosere kann sie als Waffe einsetzen. Und der, der weniger zu verlieren hat, kann sie ignorieren. Russland hat 2022 bewiesen, dass ein Land bereit sein kann, wirtschaftliche Kosten zu tragen, wenn politische Ziele wichtiger sind. Europa war darauf nicht vorbereitet. Europa ist auf nichts vorbereitet.
II. Die dreifache Abhängigkeit
Europa hat sich in eine strategische Falle manövriert. Drei Abhängigkeiten, jede für sich gefährlich, zusammen potentiell tödlich:
Sicherheitsabhängigkeit von den USA. Die NATO ist kein Bündnis von Gleichen. Sie ist ein amerikanischer Sicherheitsschirm, unter dem Europa komfortabel lebte, ohne den vollen Preis zu zahlen. Die 2-Prozent-BIP-Zusage für Verteidigung wurde jahrzehntelang ignoriert. Deutschland, die größte Volkswirtschaft Europas, ließ seine Bundeswehr verkommen — kaputte Hubschrauber, leere Munitionslager, Soldaten, die mit Besenstielen üben.
Die Annahme war: Amerika wird uns immer schützen. Amerika hat ein eigenes Interesse an europäischer Sicherheit. Die transatlantische Partnerschaft ist unzerstörbar.
Diese Annahme ist seit Januar 2025 obsolet. Ein amerikanischer Präsident, der die NATO als „obsolet" bezeichnet, der Putin bewundert, der Verbündete als Schmarotzer betrachtet — das war keine Anomalie. Es war ein Symptom. Und selbst wenn diese Präsidentschaft endet: Das Vertrauen ist gebrochen. Europa kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Amerika kommt, wenn es darauf ankommt.
Energieabhängigkeit von Russland. Nord Stream war nicht nur eine Pipeline. Es war eine Philosophie: Wandel durch Handel. Die Idee, man könne Russland durch wirtschaftliche Verflechtung einbinden, zivilisieren, europäisieren. Deutsche Politiker glaubten daran — oder taten so, weil das Gas billig war und die Industrie es wollte.
Putin las das anders: als Hebel, als Erpressungspotential, als europäische Schwäche. Jede Abhängigkeit ist ein Druckmittel für den, der sie ausnutzen will. Die Invasion der Ukraine 2022 beendete die Illusion — aber die Kosten der Entflechtung zahlt Europa noch Jahrzehnte. Hohe Energiepreise, deindustrialisierte Regionen, verlorene Wettbewerbsfähigkeit. Der Wandel kam. Aber nicht der erhoffte.
Wirtschaftsabhängigkeit von China. Die deutsche Industrie — Automobil, Chemie, Maschinenbau — hat China zum wichtigsten Markt gemacht. Volkswagen verkauft dort mehr Autos als in Europa. BASF baut dort seine größte Fabrik. Die Abhängigkeit geht in beide Richtungen, aber nicht symmetrisch: Europa braucht chinesische Absatzmärkte, China braucht europäisches Know-how — noch. Die Lücke schließt sich.
Gleichzeitig sind kritische Lieferketten von China abhängig: Seltene Erden für Batterien und Elektronik, Pharma-Vorprodukte, Solarpanels, Halbleiter-Vorstufen. Was passiert, wenn China Taiwan angreift? Was passiert, wenn China europäische Firmen als Geiseln nimmt, so wie Russland es mit Gasprom-Verträgen tat?
Niemand will diese Fragen beantworten. Also stellt sie niemand.
III. Der Riese, der nicht aufwacht
Die Europäische Union hat 450 Millionen Einwohner. Ein Bruttoinlandsprodukt von 17 Billionen Dollar. Einige der innovativsten Unternehmen der Welt, die besten Universitäten außerhalb Amerikas, eine Lebensqualität, um die uns der Rest der Welt beneidet.
Auf dem Papier ist Europa eine Supermacht.
In der Realität ist es ein Zwerg.
Das Problem ist strukturell. Die EU ist kein Staat, sondern ein Staatenverbund. Ein kompliziertes Geflecht aus Verträgen, Institutionen und Kompromissen. In wirtschaftlichen Fragen funktioniert das erstaunlich gut — der Binnenmarkt, die gemeinsame Währung, die Handelsabkommen. In außenpolitischen Fragen funktioniert es nicht.
Außenpolitik erfordert Einstimmigkeit. 27 Länder müssen zustimmen. Das bedeutet: Der kleinste gemeinsame Nenner gewinnt immer. Ungarn kann Sanktionen blockieren. Zypern kann Türkei-Beschlüsse verhindern. Ein einzelnes Land kann jeden Beschluss verwässern, verzögern oder versenken.
Die EU hat keinen Außenminister, der zählt. Sie hat einen „Hohen Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik" — ein Titel, den außerhalb Brüssels niemand kennt, ein Amt, das niemand fürchtet. Wenn es ernst wird, telefonieren die Staatschefs — Biden mit Scholz, Xi mit Macron. Der Hohe Vertreter liest davon in der Zeitung.
Die EU hat keine Armee. Sie hat 27 Armeen, die nicht kompatibel sind, nicht koordiniert werden und nicht kämpfen wollen. Sie hat keine nukleare Abschreckung — außer Frankreich, das seine Force de Frappe eifersüchtig hütet und nicht teilt. Sie hat keine Geheimdienste von Bedeutung — die nationalen Dienste kooperieren widerwillig, wenn überhaupt. Sie hat keine Fähigkeit zur Machtprojektion — kein Expeditionskorps, keine Flugzeugträger, keine Drohnen, die etwas bewirken könnten.
Sie hat Soft Power: Normen, Standards, Marktzugang, Entwicklungshilfe. Das ist nicht nichts. Die Datenschutzgrundverordnung gilt faktisch weltweit, weil globale Unternehmen keinen getrennten Datenschutz für Europa entwickeln wollen. Die EU kann Handelsabkommen als Druckmittel nutzen, Zölle verhängen, Marktzugang gewähren oder verweigern.
Aber Soft Power hat Grenzen. Man kann Panzer nicht mit Regulierungen aufhalten. Man kann Autokraten nicht mit Pressemitteilungen einschüchtern. Wenn es hart auf hart kommt, zählt nur Hard Power. Und die hat Europa nicht.
IV. Vier Szenarien
Wohin könnte es gehen? Ich sehe vier mögliche Pfade — nicht als Prophezeiungen, sondern als Denkrahmen:
Szenario 1
Durchwursteln
Europa macht weiter wie bisher, mit marginalen Anpassungen. Etwas mehr Verteidigung, etwas weniger Abhängigkeit, viel Rhetorik, wenig Substanz. Die EU bleibt ein Wirtschaftsraum mit politischen Ambitionen, die nie eingelöst werden. Man reagiert auf Krisen, statt sie zu antizipieren. Man verwaltet den Niedergang, statt ihn aufzuhalten.
Voraussetzung: Die Welt bleibt einigermaßen stabil. Amerika bleibt halbwegs berechenbar. China greift Taiwan nicht an. Russland bleibt in der Ukraine gebunden. Keine neuen Schocks.
Wahrscheinlichkeit: Abnehmend. Dieses Szenario setzt voraus, dass sich nichts Dramatisches ändert. Die Geschichte der letzten Jahre spricht dagegen. Die Schocks kommen häufiger, nicht seltener.
Szenario 2
Strategische Autonomie
Europa nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. Massive Aufrüstung, nicht auf amerikanischem Niveau, aber ausreichend für glaubwürdige Verteidigung. Europäische Armee oder zumindest voll integrierte Streitkräfte. Eigene nukleare Abschreckung — Frankreich als europäischer Nuklearschirm, oder gemeinsame Finanzierung einer europäischen Bombe. Systematische Reduzierung der Abhängigkeiten. Industriepolitik für strategische Sektoren: Halbleiter, Batterien, KI, Pharma, Rüstung.
Voraussetzung: Politischer Wille, den es bisher nicht gibt. Deutschland müsste seine pazifistische Kultur überwinden. Frankreich müsste seinen Nationalstolz europäisieren. Osteuropa müsste Brüssel mehr vertrauen als Washington. Alle müssten viel Geld ausgeben, das sie lieber für Renten, Gesundheit, Klimaschutz verwenden würden.
Wahrscheinlichkeit: Möglich, aber nur unter Schock. Europa handelt nicht aus Einsicht, sondern aus Not. Wenn Amerika Europa tatsächlich fallenlässt — nicht nur droht, sondern handelt, nicht nur einmal, sondern dauerhaft — könnte das den Anstoß geben. Aber dann wäre es spät. Armeen baut man nicht in Jahren auf, sondern in Jahrzehnten.
Szenario 3
Fragmentierung
Die EU zerfällt nicht formal, aber de facto. Verschiedene Geschwindigkeiten werden zur Norm, verschiedene Richtungen zur Realität. Ein Kerneuropa — Deutschland, Frankreich, Benelux, vielleicht Italien und Spanien — integriert sich tiefer, bildet eine Fiskalunion, eine Verteidigungsunion, eine politische Union. Die Peripherie driftet ab. Osteuropa orientiert sich teilweise wieder Richtung Washington oder bildet eigene Arrangements. Der Binnenmarkt bleibt, aber die politische Union schrumpft auf einen harten Kern.
Voraussetzung: Fortgesetzte Krisen ohne gemeinsame Antwort. Populistische Regierungen, die nationale Souveränität über europäische Integration stellen. Wirtschaftliche Divergenz zwischen Nord und Süd, Ost und West. Ermüdung der Nettozahler. Frustration der Empfänger.
Wahrscheinlichkeit: Unterschätzt. Das ist der Pfad des geringsten Widerstands. Nicht Zusammenbruch, sondern Erosion. Nicht Austritt, sondern Irrelevanz. Die EU würde weiter existieren, aber als Hülle. Die Substanz wäre woanders.
Szenario 4
Neue Bipolarität
Die Welt teilt sich wieder in Blöcke. Amerika plus Verbündete gegen China plus Russland plus Teile des globalen Südens. Ein neuer Kalter Krieg, diesmal mit anderen Fronten, aber ähnlicher Logik. Europa muss wählen — und wählt Amerika, aus Mangel an Alternativen. Die transatlantische Bindung wird enger, aber asymmetrischer. Europa wird zum Juniorpartner, zum Vasallen mit etwas mehr Würde und etwas weniger Souveränität. Eigenständige Außenpolitik wird unmöglich. Handel mit China wird eingeschränkt oder verboten. Die Wirtschaft leidet, aber die Sicherheit scheint gewährleistet — solange Amerika mitmacht.
Voraussetzung: Eskalation des Großmachtkonflikts. Taiwan-Krise, die zur Blockbildung zwingt. Eindeutige Frontlinien, kein Raum für Ambiguität. Zwang zur Entscheidung: für oder gegen.
Wahrscheinlichkeit: Höher als den meisten lieb ist. Die Logik der Blöcke hat eine eigene Anziehungskraft. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Neutralität wird zum Luxus, den sich nur Starke leisten können. Und Europa ist nicht stark.
V. Was Europa fehlt
Jenseits der Szenarien, jenseits der Strukturprobleme: Was fehlt Europa, um sein Schicksal selbst zu bestimmen?
Eine gemeinsame strategische Kultur. Deutschland denkt in Kategorien von Wirtschaft und Moral — Exporte sind gut, Krieg ist böse, alles andere ist kompliziert. Frankreich denkt in Kategorien von Macht und Geschichte — Grandeur, Einflusssphären, die zivilisatorische Mission. Polen denkt in Kategorien von Sicherheit und Überleben — eingeklemmt zwischen Deutschland und Russland, zweimal im letzten Jahrhundert von der Landkarte verschwunden. Südeuropa denkt in Kategorien von Solidarität und Transfers — der Norden soll zahlen.
Diese Perspektiven sind nicht falsch. Sie sind historisch gewachsen, verständlich, legitim. Aber sie sind inkompatibel, solange niemand sie zusammenführt. Solange jedes Land seine eigene Brille trägt und glaubt, die Realität zu sehen.
Führung, die führt. Die deutsch-französische Achse, Motor der europäischen Integration seit Adenauer und de Gaulle, ist rostig geworden. Macron hat Visionen, aber kein Geld und keine Mehrheit zu Hause. Merz ist nach Monaten im Amt bereits am Ende mit seinem Latein — die Hoffnung auf einen Neuanfang nach Scholz hat sich nicht erfüllt. Die deutsch-französische Achse bleibt blockiert. Und die kleineren Länder misstrauen beiden: zu groß, zu dominant, zu selbstbezogen.
Niemand spricht für Europa. Und wenn jemand spricht, hört niemand zu.
Bereitschaft zum Risiko. Strategische Autonomie ist kein Geschenk. Sie bedeutet Konflikte — mit Amerika, das seine Dominanz nicht aufgeben will; mit China, das Abhängigkeiten pflegt; mit Russland, das Schwäche ausnutzt. Sie bedeutet Kosten, die Wähler nicht mögen: höhere Verteidigungsausgaben, teurere Produkte, weniger Konsum. Sie bedeutet Entscheidungen, die schiefgehen können: falsche Allianzen, verfehlte Investitionen, gescheiterte Interventionen.
Europa ist risikoavers bis zur Selbstaufgabe. Lieber verwalten als gestalten. Lieber reagieren als agieren. Lieber hoffen, dass es schon gutgehen wird.
Zeit. Armeen baut man nicht in Jahren auf, sondern in Jahrzehnten. Rüstungsindustrien brauchen Aufträge, Personal, Know-how — alles abgebaut in der Friedensdividende. Strategische Kultur wächst langsam, über Generationen. Abhängigkeiten löst man nicht per Beschluss — neue Lieferketten müssen aufgebaut, neue Partner gefunden, neue Kapazitäten geschaffen werden.
Europa hat vielleicht begonnen aufzuwachen. Die „Zeitenwende", die Scholz nach der Ukraine-Invasion verkündete, die Sondervermögen und Aufrüstungsprogramme. Aber zwischen Ankündigung und Umsetzung lagen Welten. Scholz scheiterte, Merz übernahm — und scheitert ebenfalls. Der Wecker klingelt schon lange. Niemand steht auf.
VI. Die deutsche Frage
Am Ende kommt alles auf Deutschland zurück.
Das größte Land der EU. Die stärkste Wirtschaft. Die zentrale Lage — geografisch, politisch, symbolisch. Ohne Deutschland keine europäische Verteidigung, die diesen Namen verdient. Ohne Deutschland keine strategische Autonomie. Ohne Deutschland keine Antwort auf Amerika, China, Russland.
Aber Deutschland will nicht führen. Es will exportieren. Es will gemocht werden. Es will keine schwierigen Entscheidungen treffen, die jemanden verärgern könnten. Die historische Last — verständlich, nachvollziehbar, aber auch: eine Ausrede. Achtzig Jahre nach Kriegsende ist Deutschland immer noch nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen, die über Überweisungen hinausgeht.
Deutsche Außenpolitik ist Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln. Märkte öffnen, Handel treiben, Abhängigkeiten schaffen — und darauf vertrauen, dass Abhängigkeiten friedlich stimmen. Das hat mit Russland nicht funktioniert. Es wird mit China nicht funktionieren. Es ist keine Strategie, sondern Wunschdenken.
Deutschland müsste führen — nicht dominieren, nicht diktieren, aber vorangehen, Risiken eingehen, unbequeme Wahrheiten aussprechen. Stattdessen wartet Deutschland, dass andere führen, und beschwert sich dann über die Richtung.
Die Welt wartet nicht auf Deutschland. Die Welt wartet auf niemanden.
VII. Das Ende der Gewissheiten
Die Friedensdividende ist aufgebraucht. Die dreißig Jahre zwischen Mauerfall und Ukraine-Krieg waren eine Anomalie, kein Normalzustand. Eine historische Pause, die Europa für das Ende der Geschichte hielt.
Die Geschichte ist zurück. Mit Panzern in der Ukraine. Mit Drohungen aus Moskau. Mit einem Amerika, das sich abwendet. Mit einem China, das aufsteigt. Mit einer Weltordnung, die zerbricht, ohne dass eine neue erkennbar wäre.
Europa steht vor einer Wahl, die es nicht treffen will: Aufwachen oder untergehen. Handeln oder verwaltet werden. Subjekt sein oder Objekt. Die Entscheidung kann aufgeschoben werden — noch ein Jahr, noch ein Gipfel, noch eine Krise. Aber nicht ewig.
Der schlafende Riese muss aufwachen. Oder er wird feststellen, dass andere über sein Schicksal entschieden haben, während er träumte.
Diese drei Essays — über Eliten, über Amerika, über Europa — gehören zusammen. Sie beschreiben verschiedene Facetten derselben Krise: das Ende einer Ordnung, die wir für selbstverständlich hielten. Die Antworten sind nicht fertig. Sie können nicht fertig sein, weil die Geschichte noch geschrieben wird.
Was bleibt, ist die Frage: Was tun wir — jeder Einzelne, jedes Land, jeder Kontinent — mit dem Wissen, dass die alten Gewissheiten nicht mehr gelten? Dass Demokratie nicht unzerstörbar ist? Dass Frieden nicht selbstverständlich ist? Dass die Zukunft nicht gesichert ist?
Die Frage zu stellen ist der erste Schritt. Der zweite wäre, eine Antwort zu finden. Der dritte — der schwerste — wäre, danach zu handeln.
„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich."